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Ein Tag in Belgrad | March 27, 2017

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Die Belgrader Festung

Die Belgrader Festung
  

ANFÄNGE DER BESIEDLUNG

In strategisch günstiger Lage an der Spitze des Zusammenflusses von Save und Donau gelegen, dominiert sie die Umgebung und ermöglicht die Kontrolle über die Ebenen im Norden und Westen, wurde sie seit prähistorischen Zeiten besiedelt. Auf der Grundlage der archäologischen Funde auf dem Plateau der Oberstadt der Belgrader Festung, wurde die erste Besiedlung in der Jungsteinzeit gegründet.

SINGIDUNUM

Wichtige Änderungen an der Mündung der Save in die Donau fanden in der Zeit der Ansiedlung der Kelten nach einem erfolglosen Feldzug nach Delphi 279 v. Chr. Statt. Unter der Führung von Banant in die Gegend um die Donau kommend, begegneten die Kelten Skordisker zuerst dem Illyrische Stamm Autariaten und anderen thrakischen und illyrischen Stämmen.

Die Teilnahme von zwei verschiedenen ethnischen Elemente spiegelte sich in dem Namen der Stadt wider: Singidunum eine Verbindung der thrakischen oder dakischen Stammesnamen Singi und des keltischen Dunum, das Stadt bedeutet.

Die Kelten, die ausgezeichneten Krieger, haben nach der Besiedlung Landwirtschaft, Töpferei entwickelt, und begannen schon Mitte des zweiten Jahrhunderts v. Chr. das Münz-Geld zu schmieden. Archäologische Forschungen haben gezeigt, dass das keltische Singidunum nicht im Bereich der Oberstadt der Belgrader Festung lag, sondern auf der Stelle der heutigen Karaburma.

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RÖMISCHES MILITÄRLAGER

Zu Beginn des ersten Jahrhunderts, wahrscheinlich zwischen dem 6. und 11. Jahr n.Chr., führten immer häufigere Angriffe der barbarischen Stämme auf die Spitze in der Nähe der Mündung der Save in die Donau, zur Gründung des ersten römischen Militärlagers. Zu Beginn des zweiten Jahrhunderts, wurde Singidunum das Hauptquartier der Legio IV Flavia. Aufgrund der Erfolge in den Schlachten, bekamm die Legio den Spitzname Felix – glücklich. Die erste römische Festung war eine Palisade, und dann wurde ein befestigtes Militärlager gebaut – Castrum.

Castrum hatte ein rechteckiges Fundament in der Länge von 560 m und einer Breite von 350 m, und lag im Bereich der heutigen Oberstadt und auf einem Teil des Parks Kalemegdan bis zur Pariska Straße. Teile der römischen Stadtmauer mit den Resten eines viereckigen Turms wurden unter Schichten der Festung später noch an der Nordwestwand der Oberstadt entdeckt. Während der Regierungszeit des Kaisers Hadrian (117-138), bekommt Singidunum den Status des Munizipiums – einer Ortschaft mit einer beschränkten Autonomie. Den Status einer Kolonie, Siedlungen mit vollen römischen Bürgerrechten, hat sie zwischen 211 und 287 erhalten. Durch die Teilung des Römischen Reiches im Jahre 395, kommt Singidunum zum Teil des Oströmischen Reiches – Byzanz.

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MIGRATION und BYSANTINISCHER SINGIDUNUM

An der Kreuzung, Singidon – wie die Byzantiner die Stadt am Zusammenfluss von Save und Donau nannten – war während der großen Völkerwanderung ein unumgänglicher Ort, und viele Völker sind durchgezogen, oder sie blieben in dem Ort. Unter der Leitung von Attila, haben 441 die Hunnen den Balkan und eine Reihe von Städten erobert, darunter auch Singidon zerstört.

Nach dem Tod von Attila löste sich der Staat der Hunnen auf, und das Gebiet von Singidon wurde von den Stämmen der Ostgoten, Gepiden, Sarmaten bewohnt. Der Führer der Ostgoten Theoderich eroberte 471 Singidon, und hielt die Stadt 17 Jahre, bis zu seinem Abzug nach Italien. Nach der Erlaubnis des byzantinischen Kaisers Anastasius I., besiedelten die Heruler das Gebiet von Singidon. Der Kaiser Justinian I. (527-565) erkannte die Bedeutung der Grenzstädte im Kampf gegen die Barbaren, und begann den Wiederaufbau von Singidon kurz vor dem Jahr 535. Prokopios, Justinians Hof Schriftsteller, vermerkte, dass der Kaiser Singidon mit hohen Mauern umgab, und die ganze Stadt wieder aufbaute, so dass sie zu einer Stadt der “großen Ehre” geworden ist.

SLAWISCHES BELGRAD

Der byzantinische Kaiser und Historiker Konstantin Porphyrogennetos schrieb, dass etwa 630 die Serben auf ihrem Weg zu den Gebieten des Balkans, bis Singidunum kamen, wo sie sich niederließen. Die weiße Kalksteinspitze, mit den Resten der frühen byzantinischen Festung, die von Steinen der gleichen geologischen Zusammensetzung und Farbe gebaut war, ragte deutlich aus der umgebenden Landschaft heraus, und bestimmte zweifellos den slawischen Namen der Stadt: die weiße Stadt – Beograd.

Wann auf den Ruinen der antiken Stadt, die slawische Stadt gegründet wurde, darüber gibt es keine verlässlichen Daten, aber es wird angenommen, dass es am Übergang von VIII. in das IX. Jahrhundert geschah. Dem slawischen Name der Stadt, Belgrad, begegnet man zum ersten Mal am 16. April 878 in einem Brief von Papst Johannes VIII. an den bulgarischen Fürsten Boris. Papst erwähnt, dass an der Spitze des Belgrader Bistums sich der Slawe Sergius befindet.

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BYZANTINER, UNGARN, BULGAREN, und KREUZRITTER IN BELGRAD

Während des neunten und zehnten Jahrhunderts war Belgrad unter bulgarischer Herrschaft, und im XI und XII Jahrhundert unter byzantinischer Herrschaft. In diesen unruhigen Zeiten wurde die Stadt immer wieder zerstört und wieder aufgebaut. Durch das Gebiet von Belgrad zogen mehrmals viele verschiedene Kreuzritter-Armeen durch. Nach den Kreuzzügen 1096 und 1147, im dritten Kreuzzug 1189 war Belgrad der Treffpunkt der Kreuzfahrer-Armeen von Friedrich I. Barbarossa.

Mit der Wiederherstellung der Grenze an der Donau während der Herrschaft von Manuel I. Komnenos (1143-1180), zeigte das Byzantinische Reich Interesse an der Wiederherstellung der Belgrader Stadtfestung. Es wurden mehrere Türme und Wälle nach den Grundsätzen der byzantinischen Militärarchitektur gebaut, sowie das Kastell in der Oberstadt, das die Form eines Deltamuskels mit einer Länge von etwa 135 m und einer Breite von ca. 60 m hatte. Während des dreizehnten Jahrhunderts war Belgrad mit kleinen Unterbrechungen in den Händen der Ungarn.

SERIBIEN UND BELGRAD

Der Serbische König Dragutin 1282 trat im Parlament in Deževa seinen Thron zugunsten seines jüngeren Bruder Milutin ab, und bekam Teil des serbischen Landes zur Verwaltung. Dragutin wurde mit Katharina, Tochter des ungarischen Königs Stephan V. verheiratet, von dem er 1284 die mittlere Mačva mit Belgrad zur Verwaltung bekam. Aufzeichnungen über Belgrad aus dieser Zeit sind äußerst selten.

Es ist gewiss, dass die byzantinische Prinzessin und die serbische Königin Simonida Belgrad besuchte, wahrscheinlich im Jahr 1315. Bei dieser Gelegenheit verbeugte sich Simonida vor der Ikone der Jungfrau Maria, die als Wundersame betrachtet wurde, und das war seit den siebziger Jahren des XI Jahrhunderts das größte Heiligtum der Stadt. Belgrad gehörte bis zu Dragutins Tod 1316 den Serben. König Milutin besetzte im März 1316 die Region die Dragutin verwaltete, und hielt sie bis 1319, als die Ungarn angegriffen und Belgrad eroberten. Obwohl die nachkommenden serbischen Herrscher, Kaiser Stefan Dušan und Fürst Lazar wiederholt mit den Ungarn gekämpft hatten, hat sich die Situation nicht wesentlich geändert – Belgrad blieb bis zum Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts , in den Händen von Ungarn.

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BELGRAD – DIE HAUPTSTADT DES SERBISCHEN STAATES

Nach der Schlacht von Angora (1402) bekam Stefan Lazarević, Sohn des Fürsten Lazar, von dem byzantinischen Kaiser den Titel eines Despoten, und von dem ungarischen König Sigismund Belgrad zur Verwaltung. So, wurde Belgrad 1404 über diplomatische Wäge, zum ersten Mal die Hauptstadt des serbischen Staates – sein militärisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Da nach den Worten von Konstantin dem Philosoph, die Stadt “am Boden zerstört und vernachlässigt” war, griff der Despot die Erneuerung der angetroffenen Festung an, und den Bau neuen Stadtmauern und den Türmen.

Belgrad wurde in zwei Teile geteilt: die Obere und Untere Stadt. Die Stadt wurde von Doppelmauern mit Türmen und einem Wassergraben am Festland umgeben. In der Oberstadt hat der Despot, an der Stelle eines alten byzantinischen Kastells, eine Burg gebaut, die mit besonders starken Mauern mit Türmen und einem Wassergraben gegründet wurde, mit dem Eingang über eine Zugbrücke. Im Inneren der Burg gab es ein Schloss, gegeneinander liegende Türme Nebojša und Bojša, Adel Häuser, Kapellen, Bibliotheken und eine Schatzkammer. Während der Regierung des Despoten Stefan Lazarević, hat Belgrad seine wirtschaftliche und kulturelle Blühte erlebt. Nach dem Tod des Despoten Stefan im Jahr 1427, kam Belgrad wieder in die Hände der Ungarn, die wegen der häufigen Angriffe der türkischen Armee, die Festung stärkten und ausbauten.

DAS TÜRKISCHE BELGRAD

Belgrad wurde 1440erstmals gegen einen türkischen Angriff verteidigt. Einen großen Feldzug gegen Belgrad von Sultan Mehmed II., der Eroberer von Konstantinopel, 1456. Nach einem großen Kampf an den Flüssen, bei dem sich besonders die Serben Tschaikisten auszeichneten, und auf dem Land, gelang es Belgrad sich zu verteidigen und wurde so zum “Antemurale Christianitatis”, d.h. Bollwerk des Christentums. Während der dritten Belagerung von Belgrad im Jahre 1521 war Sultan Suleiman der Prächtige in der Lage die Stadt zu erobern. Belgrad wurde dann eine wichtige Festung für ihre weitere Annäherung an die Herzen Europas.

Das Stadtfeld vor der Festung haben die Türken Kalemegdan benannt (Kale – Stadt und megdan-Feld), und der Hügel, auf dem die Burg gebaut wurde, wurde Ficir Bair genannt – Hügel auf dem man überlegt. Von den vielen türkischen Gebäuden in der Belgrader Festung sind bis heute Mehmed Pascha Sokolović Brunnen aus der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts und die Turbe von Damad Ali Pasha aus dem achtzehnten Jahrhundert erhalten.

DAS BAROCKE BELGRAD

Nach vollen zwei Jahrhunderten türkischer Verwaltung, hat Österreich ab 1688 regiert und sofort mit den Arbeiten zum Ausbau einer modernen Festung nach dem Projekt des Ingenieurs Andreja Kornara begonnen. Jedoch hatten inzwischen die Türken die Stadt schon wieder im Jahr 1690 gesetzt. Während der türkischen Belagerung hat eine Bombe einen Turm in der Burg der oberen Stadt getroffen, das Feuer hat ein Munitionsmagazin erfasst und die Explosion war so stark, dass die Burg des Despoten Stefan Lazarevic völlig zerstört wurde, dabei starben über 1000 Leute.

Die Türken haben nach der Eroberung die Arbeiten zur Erneuerung der Festung nach dem Projekt Kornara fortgesetzt, da er in ihren Dienst eintrat. Von 1717 bis 1739 hat Österreich wieder Belgrad besetzt und sich sofort an den Ausbau neuer Wälle der Bastion und an Landaufschüttungen herangemacht. Die Arbeiten hat Oberst Nikola Doksat de Morez geführt.

Die Belgrader Festung wurde zu einer der stärksten Militärstützpunkte in Europa. Trotzdem bekam die Türkei mit dem Belgrader Frieden von 1739 die Stadt ohne Kampf. Aufgrund einer Anordnung dieses Friedensschlusses musste Österreich alle neugebauten Befestigungen zerstören. Noch einmal gelang es Österreich erneut Belgrad im Oktober 1789 zu erobern. Mit dem Frieden von Sistowa 1791 verlassen die Österreicher Belgrad und den Janitscharen verbot man den Zugang in das Belgrader Paschalik.

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BELGRADER FESTUNG IN EINER NEUEN ÄRA

Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts, nach der Ermordung des Befehlshabers der Stadt Belgrad Haji Mustafa Pascha, haben die Janitscharen die Macht in der Stadt und in den umliegenden Dörfern übernommen. Der Terror der Janitscharen und das Niedermetzeln der Herzöge führten zu nationalem Erwachen und führte im Jahre 1804 zum Ersten serbischen Aufstand von Karađorđe Petrović. Die Rebellen eroberten die Stadt Ende 1806 und die Festung Anfang 1807.

Nach dem Scheitern des Aufstands 1813 waren die Türken bis zu ihrem endgültigen Auszug aus Belgrad wieder Herren über die Festung. Im Kalemegdan hat der türkische Befehlshaber von Belgrad die Schlüssel der Stadt Fürst Mihailo Obrenović am 06./19. April 1867 übergeben. Türkische Militärwachen wurden durch die serbischen Soldaten ersetzt, und neben der Flagge der Türkei wurde auch Fahne von Serbien hochgezogen. Nach Ablauf dieser Periode, verlor die Festung die Bedeutung eines militärischen Stützpunktes.

Im Jahre 1869 begannen die ersten Arbeiten an der Entwicklung der städtischen Gebiete – Kalemegdan. Im Märtz 1891 wurden die Wege angelegt und die Bäume gepflanzt, und 1903 wurde die kleine Treppe Richtung der Francuska Straße von Jelisavete Načić, der ersten Frau der Architekt in Serbien entworfen und gebaut und 1928 wurden die große Treppe nach dem Projekt des Architekt Aleksandar Krstić. Im Ersten Weltkrieg wurden alle alten Gebäude innerhalb der Stadtmauern zerstört, während die Mauern der Festung erheblich beschädigt wurden.

Zwischen den beiden Weltkriegen, bekam der Park sein heutiges Aussehen. Gebaut wurde der Spazierweg entlang der Save und den großen Treppen auf dem Weg zum Königstor und der neu errichteten Siegerstatue – Pobednik. Dann beginnt die erste archäologische Forschung der Festung, die bis heute dauert. Seit 1946 wurden die Belgrader Festung und Kalemegdan unter staatlichen Schutz gestellt.

BELGDRAD IM DRITTEN JAHRTAUSEND

Das Leben auf der Spitze oberhalb der Mündung der Save und Donau dauert mehr als zwei Jahrtausende. Sechs Jahrhunderte verstrichen seit der Zeit, als Belgrad zum ersten Mal in ihrer Geschichte zur Hauptstadt wurde.

Der Kern, um den bis heute sich eine zwei Millionen Agglomerationen ansammelte, ist die Belgrader Festung und der Park Kalemegdan. Sie bilden eine einzigartige räumliche Einheit mit deutlich sichtbaren Überresten der Festung, in Ober-und Unterstadt aufgeteilt, mit zwei verschiedenen Stilrichtungen – die Elemente der mittelalterlichen Architektur, kombiniert mit den typischen Barock Lösungen des achtzehnten Jahrhunderts. Der Park Kalemegdan, große und kleine, entstand auf dem Gelände des ehemaligen Stadtfeldes, ist ein Ort der Ruhe und des Genießens.

Die Belgrader Festung und der Park Kalemegdan sind ein Kulturdenkmal von herausragender Bedeutung und Veranstaltungsort von vielen Sport-, Kultur -und Kunstveranstaltungen, ein Ort für Spaß und Unterhaltung aller Belgrader Generationen und stets wachsender Zahl von Besuchern der Stadt. (Ivana Špica)