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Ein Tag in Belgrad | April 28, 2017

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Sie sagten … über Belgrad

Belgrade

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Belgrad ist preisgünstiger New York.

(Momo Kapor)
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Belgrad ist die hässlichste Stadt der Welt am schönsten Ort der Welt.
(Le Corbusier)
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Die Sonne hat Belgrad wieder erwärmt, denn kein anderer wollte es.
(Duško Radović)
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Als Le Corbusier über Belgrad sagte, dass Belgrad die hässlichste Stadt am schönsten Ort sei, da dachte er an die Auswirkungen der Jahrhunderte langen Zerstörungen. Diejenigen, die heute diese Stadt lieben und kennen, kennen sie nicht aufgrund dessen was sie in ihr gesehen oder angefasst haben. Ihr größter und vielleicht schönster Teil ist derjenige, der spurlos verschwunden ist und den wir nie wieder sehen, fotografieren oder anfassen werden. Aber zu ihrer Geschichte gehört auch der verschwundene Teil, den wir nie wieder werden rekonstruieren können, derjenige Teil der Geschichte der sich in uns befindet, und nicht in der Welt um uns herum.
Offensichtlich war Corbusiers hässlichste Stadt am schönsten Platz im Lauf der Geschichte sehr oft die schönste Stadt am schrecklichsten Ort der Welt. Abschließend könnten wir die New York Times aus dem fernen Jahr 1876 anführen. Hätte sich damals den großen Türkischen Feldzügen Richtung Europa nicht Serbien mit Belgrad (das damals dem Erdboden gleichgemacht wurde) entgegengestellt, so würden heute Deutschland und Frankreich, Wien, München und Marseille genauso aussehen.
(Milorad Pavić)
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Wer morgens das Glück hat, in Belgrad aufzuwachen, kann sich sagen, dass er für heute genug erreicht hat im Leben. Jedes weitere Beharren auf noch etwas, wäre Unbescheidenheit.
(Duško Radović)
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… dort angekommen, fand ich den schönsten Ort von jeher, die gewaltige Stadt Belgrad, die durch einen Zufall zerstört und verlassen worden war. Ich baute sie auf, und weihte sie der Gottesmutter….
(Despot Stefan Lazarević)
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In Belgrad bin ich das erste Mal (1973). Ich bin gekommen weil ich noch nie in dieser Gegend im Osten Europas gewesen bin. Schnell habe ich zwei für mich sehr wichtige Dinge festgestellt: das Essen ist ausgezeichnet, und der Zugang zu Filmen ist viel intellektueller als in Amerika.
(Jack Nicholson)
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Wie viel haben Sie wohl aufbauen müssen, wenn man bedenkt, dass Sie sowohl von den Deutschen als auch von den Alliierten bombardiert worden sind. Es ist einfach für andere Großstädte Europas sich ihrer Schönheit zu rühmen… Sie haben einen netten kleinen Zoo… Man sagte mir, dass zum Zeitpunkt der Bombardierung auch der Zoo zerstört worden war und die Tiere auf die Straßen geflohen sind, aber dann seien sie von selbst zurückgekommen… Eine wirklich schöne Geschichte – ich weiß nicht ob sie wahr ist…
(Alfred Hitchcock)
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Besonders beeindruckt mich in Belgrad seine fröhliche und warme Atmosphäre.
(Samuel Beckett)
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Damals brauchte ich Begegnungen mit Menschen, die mich nicht mit ihrer Oberflächlichkeit langweilten, wie es bei uns oft der Fall war, mit Menschen die stundenlang am Tisch sitzen konnten, Freundschaft pflegten, irgendwelche Lieder sangen und sich immer viel zu sagen hatten. Diese Belgrader Phase hat einfach meine Seele geheilt …
(Erskine Caldwell)
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… da fand ich den allerschönsten Ort seit Urzeiten, die gewaltige Stadt Belgrad …
(Despot Stefan Lazarević)
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Wo ist das Herz von Belgrad?
Überall und nirgends.
Es versteckt sich in der eleganten Lässigkeit der Schuhputzer, die sagen: „Gib, was du gibst!“; in der philosophisch harmonischen Entspanntheit älterer Menschen, die so viele Kriege durchgemacht haben; in dem morgendlichen Witz, der mit seinem frohen Knall den düsteren amtlichen Morgen in dem Trolleybus umformen wird; in der Freundschaft der Kellner, die nicht zögern sich mit dem Gast unter der Linde hinzusetzten, um gemeinsam ein Bier zu trinken; in der Sie sich in der Menschenmenge auf der Straße, selten als ein Fremder fühlen werden, egal woher Sie kommen; in der Schönheit der mit Graphiti besprühten Wände, die niemand streicht, und auf denen rührende Fresken der Straßenschicksale bemalt sind, der Liebe, Flüche Beleidigungen, Witzigkeit, Fußball-Ergebnisse, Namen – all das auf dem Putz, unter dem immer noch Warnungen durchschauen: Geprüft – keine Mine! Auf alle zu den Wahlen! Das Leben geben wir her, aber nicht Triest! – und über allem das Schild der schon lange verschwundenen Versicherungsgesellschaft „Sava“, die es nicht schaffte irgendetwas zu versichern, und am wenigsten sich selber; und ausgebleichte Spuren ausgetauschter Tafeln mit Straßennamen.
Belgrader Geist liegt in dem einzigartigen Chaos der Grünmärkte, und vor allem im geschmeidigen Gang der Belgraderinnen. Belgraderinnen auf der Straße – für mich ist das fantastisches modernes Ballett, mit keinem anderen Ton, außer dem Antippen der Absätze ihrer Schuhe! Blasse, plötzlich herangewachsene Stadtmädchen, die auf dem Asphalt aufgewachsen sind, erzogen durch die Blicke der Passanten, voller Begierde, die unabhängig, frech und gleichzeitig höflich sind, mit der angeborenen Eleganz einfallsreicher Modefrauen, und geschickt versteckter Armut – sie sind die schönste und aufwendigste Aufführung die Belgrad dem Blick den Fremden bietet, solange bis sie irgendwo wie auf einen geheimen Wink verschwunden sind, und die Straßen untröstlich menschenleer und kahl werden.
Der Belgrader Geist ist endlich, auch in dem Gefühl, dass Sie zu Hause sind, dass Sie nicht scheitern können, weil Sie unter Ihren eigenen Leuten sind, dass Sie immer und jederzeit etwas Kleingeld, Liebe, einen Dach über dem Kopf und der notwendigen Anteilnahme vor dem Morgengrauen leihen können …
Dieser Geist gebiert mutige Hochhäuser, aus denen neue Viertel entstehen, und die alten verfallen. Er überbrückt die Flüsse, räumt die verflochtenen rostigen Schienen auf, zwischen deren Schwellen das Gras sprießt, um so einen umfassenderen Blick auf die Flüsse und den Himmel zu ermöglichen. Er spielt mit der Architektur, und mit den Gesetzten der Stadtplanung.
Aus der Luft fotografiert, wird die Stadt nie einen neugierigen Sammler von Schönheit gewinnen, egal wie geschickt sie fotografiert wurde.
Einfach gesagt, sie ist nicht fotogen! Dafür wird sie aber etwas ganz anderes tun: sie wird fast körperlichen Schmerz der Sehnsucht erwecken, bei denen die zumindest ein paar Tage auf ihren Straßen verbracht haben, so wie ein Foto einer ehemaligen Liebe uns bis zum Tod quälen kann.
Ihr Stadtplan wird ähnlich einer Landkarte des Herzens. Diese Stadt wird uns mit dem Scharm verzaubern, und niemals wird sie uns den Geheimcode dieser seltsamen Liebe aufdecken, deren Grund wird nicht kennen. Für immer werden wir ihre freiwilligen Gefangene, die zwischen Städten unzähliger Meisterwerke gerade Belgrad auserwählt haben, damit sie in ihr das einzig gegebene Leben verbringen.“
(Momo Kapor)
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Heute ist die Stadt mit Widersprüchen und Kultur überflutet: auf der einen Seite steinig, grau und derb, und anderseits tröstlich, gepflastert und still. Es ist gleichermaßen ein Ort der Entspannung und des Abenteuers.
(New York Times)
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Belgrad hat eine Menge von unterirdischen Tunneln und Verstecken, ein Erbe aus tausenden von Jahren, während derer viele, von den Byzantinern bis zu den Türken, über die Stadt herrschen wollten.
(The Star)
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Rasch drängt sich Belgrad auf, als Schlüsseldestination für jene Reisenden, die auf der Suche nach etwas anderem in der bekannten europäischen Landschaft sind.
(The Sheffield Star’s Profile magazine)
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Im Zuge der Erholung von den Unruhen auf dem Balkan ist aus Belgrad eine völlig moderne Stadt geworden mit einer Vielzahl bemerkenswerten Eigenschaften, die es vor den anderen europäischen Städten auszeichnen.
(The Sun)

Umsonst habt ihr gestrichen (photo: beobuild.rs)

Umsonst habt ihr gestrichen (photo: beobuild.rs)

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Belgrad hat nicht genügend Handwerker. Als wir uns die Zukunft vorstellten, da stellten wir sie uns ohne Schäden vor.
(Duško Radović)
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Wenn ein Mensch vorübergehend, nur für einen Augenblick, seine Hauptaufgabe in Belgrad ignoriert, das nackte Leben auf den Fussgängerüberwegen und Gehwegen zu bewahren, dann bleibt ihm noch folgende Herausforderung: sich vor den Beichten bekannter und unbekannter Menschen zu schützen.
(Borislav Pekić)
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Der Himmel über Belgrad ist breit und hoch, wechselhaft, und doch immer schön; sowohl während der heiteren Wintermonate in ihrer eisigen Pracht; als auch während der Sommergewitter, wenn er zu eine einzigen düsteren Wolke wird, die von einem verrückten Wind gejagt wird und die einen Regen vermischt mit dem Staub der Pannonischen Ebene mit sich bringt; auch im Frühjahr wenn es so aussieht als ob er genau wie der Boden selbst aufblühen würde; auch im Herbst wenn er Scharen von Sternen ihn beschweren. Immer schön und reich, als sei er eine Ausgleich für diese seltsame Gegend, für alles was nicht da ist, und als Trost für all das nicht da sein sollte.
Aber die größte Pracht dieser Himmel über Belgrad, das sind die Sonnenuntergänge. Im Herbst, und im Sommer sind sie geräumig und strahlend wie die Luftspieglungen der Wüste, und im Winter durch die trüben Wolken und den rötlichen Nebel gedämpft. Und zu jeder Zeit des Jahres häufig kommen die Tage, wenn die Glut der Sonne in der Ebene zwischen den Flüssen unterhalb Belgrad, hoch oben in der Kuppel des Himmels reflektiert wird, und dort bricht, und ergießt sich wie roter Glanz über die verstreute Stadt. Dann färbt die sonnige Röte für einen Moment sogar die entferntesten Ecken von Belgrad und reflektiert in den Fenstern auch dieser Häuser, die sonst schlecht beleuchtet sind.
(Ivo Andrić)
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Belgrad ist eine fantastische Europäische Stadt, die mit der Welt verbunden ist.
(Andrzej Wajda, Filmregisseur)
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Es gibt noch Brettzäune in Belgrad, an denen das Unkraut wächst, mit starkem, herbem Geruch … auf einem Ast der Wildbirne gurrt die Turteltaube, und eine verirrte Feldmaus rennt weg aus Angst oder Hunger … All dies gibt es noch irgendwo, in irgendeiner Straße ohne Namen und im Haus ohne Hausnummer … Es hat sich wie eine Klette ans Hosenbein der Großstadt geklammert, und reist mit ihr durch die Zeiten und Räume, denen sie nicht gehört.
(Duško Radović)
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Ich kam nach Belgrad im Winter, und ich sah meine eigene Kindheit: Straßen mit Schnee bedeckt, Gesichter wie im Amerika meiner Jugend. Das war sehr berührend.
(Saul Bellow)
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Es sieht so aus, als wäre diese große Stadt schon immer so gewesen: zerrissen, verstreut, so als würde er niemals je existieren, sondern als sei er ewig im Entstehen, im Aufbau in der Erholung. Am einem Ende sie sprießt und wächst sie, und am anderen schwindet sie dahin und zerfällt. Sie bewegt sich immer und wallt, sie ruht niemals, und kennt nicht Gelassenheit noch Stille.
(Ivo Andrić)
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Wenn wir ehrlich sind, sieht Belgrad heute nicht besonders gut aus. Wir schauen es fragend an, und es zuckt mit Schultern Karaburma und Banovo Brdo, seinen Hügeln: heute geht es ihm nicht gut, es ist heute nicht sein Tag.
(Duško Radović)
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Der größte Reichtum von Belgrad sind weder Erz noch Mineralien, weder Devisen- noch Dinar Reserven. Es ist auch nicht unsere traditionelle Gastfreundschaft. Der größte Reichtum sind die Mädchen! Und die Mütter, die sie gebären.
(Prljavi inspektor Blaža)
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Belgrad ist nicht die größte, nicht die älteste, nicht die schönste Stadt der Welt, aber manche sagen, sie sei eine der fröhlichsten.
(Jovo Anđić)
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Belgrad ist nicht in Belgrad, denn Belgrad ist nicht wirklich eine Stadt – sie ist eine Matapher, eine Lebensart, ein Sichtweise.
(Momo Kapor)
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Eine blühende und gut besiedelte Stadt.
(Idrisi, arabischer Geopraph)
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Wie oft ist es der Fall, dass ein Reisender einen berühmten Ort mit großen Erwartungen aufsucht und ihn bedrückt und enttäuscht verlässt. Dies ist der Fall mit Athen, dem Rhein, dem Petersdom in Rom. Nach Belgrad hingegen ging ich nichts erwartend – weder Dekor noch Panorama, weder Fröhlichkeit noch irgendetwas Interessantes – und jetzt bin ich ein Opfer seines verführerischen Charmes geworden, sodass ich mich von ihm mit dem größten Schmerz trennen muss. Dies ist ein neues Gefühl: sich in eine Stadt zu verlieben.
(Herbet Vivian, Scriftsteller)
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Es gibt keine Stadt der Welt, um die sich so viele Völker reißen, unter deren Mauern so viele Schlachten gekämpft wurden, die so viele Male den Eigentümer wechselte, fünfzig Mal zerstört wurde, um alle fünfzig Male aus dem Grab der Geschichte wieder aufzuerstehen – wie unser Belgrad. Spricht also die Tatsache, dass diese Stadt, eine serbische Stadt ist, nicht auch ein wenig für die Serben?
(Borislav Pekić)
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Von allen mir bekannten Städten, hat dieser Ort die schönste Lage, am meisten Licht und Sonne. Das ist die weißeste Stadt, die ich kenne, ein weißer und sonniger Ort, als sei er auserwählt, ein Bild der Freiheit und des Lichts in unserer Generation zu sein.
(A. G. Matoš)
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Die Nacht bricht ein über der Hauptstadt des ehemaligen Jugoslawiens, und Musik erfüllt die Luft. Überall.
(The New York Times)